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Steirische Ansichten

Die Steirischen Kulturlandschaften

Das Entstehen und der Wandel einer Kulturlandschaft sind stetig fortdauernde, nie endende Prozesse von Einflussnahmen und Reaktionen des Menschen. Mit der Zeit entsteht aus kultiviertem Land - Kulturland.
Vom Hochgebirge ins weite Hügelland; von den Felswänden des Nordens in die Weinhänge des Südens;
Ein Land mit abwechslungsreichen und unterschiedlichen Landschaftsformen.
Die Steiermark liegt im Spannungsbogen der Alpen, Pannoniens und des Mittelmeeres - ein Land mit vielen Ansichten.

Die historischen Hauslandschaften

Architektur ist gleichsam eine zweite Haut des Menschen.
Als Ergebnis einer baulichen Bewältigung von verfügbaren Materialien und klimatischen Gegebenheiten hat sich über die Jahrhunderte eine Vielfalt der Baulandschaft ergeben:

Die historischen Hauslandschaften

Die überlieferten Dachformen und Strukturen

Das verbindende Element der alten steirischen Hausformen ist die steile Dachneigung.
Deckstoffe wie Stroh, Holz und Ziegel haben nach Art und Menge der Niederschläge verwendet, zu einer unverwechselbaren Charakteristik geführt.
War ursprünglich die Dachlandschaft der Obersteiermark durch das Grau sonnengebleichter Schindeln gekennzeichnet, prägten die ziegelroten Dächer die außeralpinen Regionen, den Süden des Landes.
Die traditionellen Hausformen sind aber auch eng verbunden mit der landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens und dem Erwerb der Menschen.
Eine scheinbar harmonische Situation, die das zwanzigste Jahrhundert einschneidend verändern wird ..

Strukturwandel, neue Bauformen

Industrialisierung, sozialer Wandel, Bevölkerungswachstum, neue Baustoffe brechen die alten Strukturen auf und stehen oft im Gegensatz zu den in sich geschlossenen traditionellen Kulturlandschaften.
Aufgrund der überall gleichen Verfügbarkeit von Baustoffen werden heute wesentliche regionale Eigenarten nicht mehr beachtet.
Der sogenannte "Genossenschaftswohnbau" beginnt die Dorfstrukturen zu verändern. Die Siedlung als Satellit, unabhängig vom Ortszentrum. Der Wunsch nach individuellem Wohnen in der Form des Einfamilienhauses wirkt sich zunehmend in den Kulturlandschaften der Steiermark aus. Gewerbeparks am Ortsrand, Industrieanlagen in der Landschaft, Bauten für Tourismus, die vielen Sondernutzungen im Freiland ergeben ein neues Bild.
Zersiedelung, Massstabslosigkeit, Landschaftsverlust drohen! Das Ende der Kulturlandschaft?

Landschaftsschutz

Beinahe die Hälfte der Fläche der Steiermark ist wegen ihrer Schönheit und Eigenart unter Landschafts- und Naturschutz, in Zukunft werden Teile davon in den Europaschutz übernommen.
Der Sinn besteht darin, geplante bauliche Veränderungen fachlich begleiten zu können, Gemeinden zu beraten oder durch Gutachten nach dem Naturschutzgesetz in Behördenverfahren mitzuwirken.
Dies geschieht im Interesse der Bedachtnahme auf eine verantwortungsvolle, sparsame Nutzung der landschaftlichen Ressourcen, um sie treuhändisch für nachfolgende Generationen zu verwalten.
In der Raumordnung werden Änderungen der Flächenwidmungs- und Bebauungspläne aus der Sicht des Landschaftsschutzes bearbeitet.
Es gilt als Ziel, einerseits besondere Merkmale einer Kulturlandschaft zu erhalten, andererseits sie in ihrer jeweiligen Eigenart zeitgemäß weiterzuentwickeln.
In Bau- und Naturschutzverfahren beschäftigen sich Sachverständige mit der Gestaltung von Einzelprojekten:

Zeitgemäßes Bauen in Verbindung mit den Kulturlandschaften der Steiermark.

Einbindung in die Landschaft

Architektur und Landschaft treten in jedem Fall miteinander in Beziehung.
Ein Bauwerk steht zu einer bestimmten Landschaft dann in einem rechten Bezug, wenn es hinsichtlich seiner Lage, Größe und Gliederung auf die natürlichen Gegebenheiten dieser Landschaft reagiert.

Einbindung in bestehende Bebauungen

Neue Architektur soll sich mit Behutsamkeit den bestehenden Strukturen zuordnen.

Hauslandschaften sind über Jahrhunderte aus ERFAHRUNG gewachsen. Die richtige Einbindung neuer Architektur gelingt erst nach gründlicher Auseinandersetzung mit den aus Zweck und frühen Technologien entstandenen Formen.

Die Art der Gestaltung soll Auskunft über die tatsächliche Entstehungszeit geben.

Nutzung alter Bauten

Revitalisierung alter, historischer Bausubstanz bedeutet eine neue, dem ursprünglichen Sinn oft gegensätzliche, Nutzung.
Das Alte ist die Basis für das Entstehen neuer Architektur.
Die zeitgemäße Belebung von lange Ungenutztem, das Einbinden in die Gegenwart ist das Wesen der Revitalisierung.
Steht die Architektur im Kontrast, gleichsam als gebauter Kontrapunkt zum Umfeld, liegt die Berechtigung allein in der hohen Gestaltqualität des Bauwerkes und seiner Details.

Baustoffe

Bauen mit der Landschaft war früher Bauen in Verbindung mit der Natur und den dort vorkommenden Rohstoffen.
Heute jedoch ist landschaftsgerechtes Bauen nicht mehr im Zusammenhang mit bestimmten Baustoffen zu sehen: Glas und Metall ergänzen oder ersetzen Holz und Ziegel.
Holz ist in der Steiermark ein dominanter Baustoff, eine immer wieder nachwachsende Ressource.
Vom Fenster bis zum Dach, vom tragenden Element bis hin zur Verschalung.

Siedlungsbau

Holz erfüllt auch alle zeitgemäßen Anforderungen, konstruktiv und funktionell: etwa im mehrgeschossigen Siedlungsbau.
Verdichtete Wohnstrukturen tragen dazu bei, wertvollen Naturraum zu erhalten. Ortsränder und Landschaften sind aber dadurch oftmals erheblich belastet.
Durch geländebezogene Planungen, zeitgemäße Architektur und sorgfältige Detailarbeit werden neue Siedlungen zu baukulturell hochwertigen Erweiterungen von gebauten Lebensräumen.

Öffentliche Bauten und öffentlicher Raum

Im Gegensatz zum privaten Bauen unterliegen Gebäude mit öffentlichen Funktionen und der öffentliche Raum den Anforderungen und Bedürfnissen vieler Menschen.
Früher waren es Kirchtürme, Rathausfassaden und Plätze, die ÖFFENTLICHKEIT repräsentierten.
Heute ist öffentliches Bauen vielfältiger.
Der Wunsch nach Darstellung ist derselbe geblieben und bestimmt nach wie vor die Gestaltung von Zweckbauten.
Durch Architektur werden sie zu baukulturell wertvollen Zeugnissen ihrer Entstehungszeit.

Architektur, Gestaltqualität

Es ist nicht immer die Größe des Bauvolumens, die eine Unverträglichkeit befürchten lässt, sondern vielmehr seine Gestaltung.
Je größer das Bauwerk, umso empfindsamer, klarer und einfacher soll seine Architektur sein.

Instrumente zur Erhaltung der Landschaft

Geschlossene Ortschaften sind aus einem Nutz- und Schutzbedürfnis der Menschen entstanden.
Sie haben über Jahrhunderte die Kulturlandschaften geprägt - das Dorf in der Landschaft.
Die Entwicklungen unserer Zeit lösen diese alten Strukturen auf.
Raumordnung, Altbausanierung, verdichtete Siedlungsformen, das sind die Werkzeuge um der Zersiedelung entgegen zu steuern und wertvollen Naturraum zu erhalten.

Zusammenfassend

Die Steiermark trägt das Erbe einer historisch langsam gewachsenen Kulturlandschaft. Ein Ergebnis aus Einflussnahmen des Menschen auf Naturland.
Architektur ist "die Kunst des Bauens" und ist ein Spiegel der Zeit.
Sie umfasst den Lebensraum für den Menschen - Häuser, Plätze, Siedlungen, Orte - Stationen des Lebens die uns prägen durch ihren Charakter, ihre Qualität.
Immer wieder bezaubern alte Bauten durch ihre Selbstverständlichkeit, als wären sie immer schon da gewesen.
Wenn der Maßstab und die Proportion stimmig sind, wenn Einfachheit und Klarheit dem Zeitgebundenen widerstehen, dann werden neues Bauen und neue Architektur zur BauKULTUR der Gegenwart.
Sie legen Zeugnis ab von der Baugeschichte des Landes und werden Teil unserer Kulturlandschaft.

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