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Landschaftsgliederung der Steiermark

Die naturräumliche Gliederung der Steiermark

Verfasser: Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl LIEB (1997)

Einleitende Bemerkungen

Die vorliegende Gebietsgliederung beruht im Wesentlichen auf der Publikation von LIEB 1991, die auch eine ausführliche Diskussion der zu Grunde liegenden Methodik und ihrer Probleme sowie eine Auswahl bisher erfolgter ähnlicher Bearbeitungen enthält. Im Folgenden seien zuerst die wichtigsten Anforderungen an die gegenständliche Gliederung angesprochen.

  1. Möglichst große geologische und geomorphologische Homogenität der abgegrenzten Gebiete.

  2. Linienscharfe Begrenzung der einzelnen Gebiete und objektive Nachvollziehbarkeit der Gebietsgrenzen.

  3. Geringe Gesamtzahl der Gebiete zwecks Übersichtlichkeit - dadurch wird auch die Forderung nach einer gewissen Mindestgröße der Gebiete impliziert.

  4. Verwendung bodenständigen Namensgutes als Gewährleistung einer hohen Assoziativität der Begriffe für die von ihnen bezeichneten Landschaftseinheiten.

Berücksichtigung angeführter Punkte

Bei einer möglichst umfassenden Berücksichtigung dieser vier Punkte (im Einzelfall sind selbstverständlich Kompromisse notwendig) kann man die Steiermark in eine überschaubare Anzahl von Gebieten gliedern, die unabhängig von administrativen Grenzen oder willkürlich festgelegten Rasterfeldern zusammenhängende Naturräume mit allgemein gebräuchlichen Namen bezeichnen. Dies ist für alle raumbezogenen Fragestellungen im Bereich der Umweltforschung und -planung sehr hilfreich, ja unter Umständen unabdingbar.

Landschaftsbezeichnungen

Manche der bisher vorliegenden Gliederungen haben eine durchgehende Hierarchisierung der Teilgebiete unterschiedlicher Ordnung versucht, mussten dafür aber jeweils die Einführung neuer Kunstbezeichnungen (z.B. "Steirische Schieferalpen" bei MANG 1984) in Ermangelung entsprechenden ortsüblichen Namensgutes in Kauf nehmen. Der Grund hierfür ist natürlich der, dass die Bevölkerung nur in Einzelfällen solche Über- und Unterordnungen von Landschaftsbezeichnungen empfindet. In der vorliegenden Gliederung wurde die Verwendung "gebräuchlicher" Namen der Legende für wichtiger als eine konsequente Hierarchisierung erachtet, welche daher nur eine lose und unvollständige Form hat:

  • Herzstück ist eine vollständige Gliederung der Steiermark in 59 Teilgebiete, die einzeln in diesem Internetprojekt kurz vorgestellt werden.

  • Dieser Gliederung ist nur eine sehr grobe in die drei Haupteinheiten Nordalpen,      Zentralalpen und Vorland übergeordnet, wobei die beiden ersten noch zur "alpinen      Steiermark" zusammengefasst werden könnten.

  • Zwischen 1 und 2 bietet das gebräuchliche Namensgut nur eine Zusammenfassung      einiger bestimmter Teilgebiete der Zentralalpen zu den Niederen Tauern und zum      Steirischen Randgebirge an.

  • Eine weitere interne Untergliederung der Teilgebiete wurde, sofern sowohl klare      Grenzen als auch gebräuchliche Bezeichnungen zur Verfügung standen, eingetragen.
  • Eine  weitere Untergliederung der Teilgebiete kann bei Bedarf jederzeit durch Zusatz von Himmelsrichtungen (z.B. nördliche Gesäuseberge/Ennstaler Alpen) oder mithilfe geeigneter Kunstbezeichnung. (z.B. Pleschaitzmassiv/Murberge) durchgeführt werden.

Wertung für Auswahl der Bezeichnungen

Im Einzelfall ist die Feststellung wirklich gebräuchlicher Bezeichnungen schwierig, doch ist es gelungen, für die vorliegende Gliederung keine einzige Bezeichnung neu einzuführen. Einzelfragen hierzu sind bei den Beschreibungen der Teilgebiete angesprochen, im ganzen hielt ich mich bei der Auswahl der Bezeichnungen an folgende Wertung:

  1. Als beste Bezeichnungen wurden grundsätzlich die von der ortsansässigen (!) Bevölkerung verwendeten erachtet und wo immer vorhanden auch benützt (im Erläuterungstext als "gut eingebürgert" bezeichnet). Hauptquelle hierfür waren Gespräche mit Bewohnern der betreffenden Gebiete, meist vor Ort.

  2. Wo die Bevölkerung keine Bezeichnungen für geographisch sinnvolle Raumeinheiten zur Verfügung stellte, wurde auf das in Bergsteigerkreisen übliche Namensgut zurückgegriffen (z.B. Mürzsteger Alpen).

  3. Lag auch von dieser Seite keine brauchbare Benennungsvariante vor, so wurden in allerdings nur mehr drei Fällen (Mürztaler Alpen, Murberge, Südburgenländisches Riedelland) Begriffe aus der vorliegenden geographischen Fachliteratur herangezogen.

Landschaftsbezeichnungen in der Umgangssprache

Hierzu ist jedoch einschränkend anzumerken, dass den in der Bevölkerung verwendeten Bezeichnungen häufig bestimmte Wörter (und zwar -gruppe, -zug, -stock, -massiv, Riedelland, Becken oder Passlandschaft) angefügt wurden, um in der Bezeichnung bereits den Landschaftscharakter anzudeuten. So wird etwa die Hochschwabgruppe kaum je wirklich so bezeichnet, sondern einfach als "Hochschwab" oder auch "Schwaben".

Ein anderes Beispiel stellen die Riedelländer des Vorlandes dar, die in der Regel einfach Ost- oder Weststeiermark genannt werden. Die Notwendigkeit dieser Wortzusammensetzungen ergibt sich auch daraus, dass in der Praxis doch scharf zwischen Einzelbergen (z.B. Reinischkogel) und dem Teilgebiet (Reinischkogelzug/Koralpe) unterschieden werden muss, was jedoch in der Bevölkerung kaum geschieht (die Aussage "wir waren am Reinischkogel" kann sowohl den Besuch des Gipfels als auch irgendeines anderen Punktes im Gebiet bedeuten). Weiters sind der Bevölkerung natürlich auch die hier aus praktischen Erwägungen durchgeführten linienscharfen Abgrenzungen der Teilgebiete in dieser Form fremd. Sowohl zur Problematik der Namengebung als auch der Begrenzung von Teilgebieten (Landschaften) wird auf die grundlegenden und umfassenden Ausführungen von LIEDTKE 1984 verwiesen.

Zur Abgrenzung der Teilgebiete

Die Grenzlinien zwischen den Teilgebieten wurden entsprechend den methodischen Ausführungen von 1991 gezogen, wobei an den Grenzen der Talräume sowie der Riedelländer und Becken gegen ihre Gebirgsumrahmung eine generalisierend-ausgleichende Linienführung gewählt wurde, um nicht eine letztlich unerreichbare Genauigkeit vorzutäuschen. So etwa wurden die besonders am Alpenrand häufigen Talengen in vielen Fällen nicht gesondert berücksichtigt und auch die eine oder andere Erhebung aus Festgestein in die Becken oder Täler integriert (z.B. Heiliger Berg im Voitsberger Becken, Kulm im Mittleren Ennstal, Schlossberg im Grazer Feld). Willkürlich bleiben die Gebietsgrenzen an den Ausgängen von Seiten- in Haupttäler oder Becken, wo meist eine konvex in das Seitental einbuchtende Linienführung gewählt wurde. Geradlinige Grenzen wurden der Einfachheit halber an den Grenzen zwischen verschiedenen Abschnitten desselben Tales gezogen (z.B. zwischen Leibnitzer Feld und Unterem Murtal oder zwischen Oberem und Mittlerem Ennstal). Täler wurden generell nur bei einer mittleren Breite des Talgrundes von mindestens 500 m als eigene Teilgebiete ausgeschieden, bei Bedarf ist eine Erweiterung zu bestimmten Zwecken leicht durchführbar.

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