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Luftgütemessungen Steiermark Jahresbericht 2012

Jahresbericht 2012 © Land Steiermark
Jahresbericht 2012
© Land Steiermark

Aufgrund der insgesamt günstigen meteorologisch-klimatologischen Bedingungen konnte 2012 der Trend der leicht erhöhten Luftschadstoffbelastung der beiden letzten Jahre gebrochen werden und in der Steiermark wurde im Hinblick auf den Leitschadstoff Feinstaub wieder ein deutlich niedrigeres Immissionsniveau  eingehalten.

Die Anzahl der tolerierten Tagesmittelgrenzwertüberschreitungen nach der EU-Luftreinhalterichtlinie (30 ÜT) wurde lediglich in Leibnitz und in Graz überschritten. Eine Toleranzwertüberschreitung nach dem  strengeren IG-L (25 ÜT) wurde zudem noch in Fürstenfeld registriert.
Diese positive PM10-Bilanz zeigt den Effekt zahlreicher emissions- mindernder Maßnahmen, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesetzlichen Vorgaben aufgrund der topographisch-klimatologischen Ungunstlage bereits in meteorologisch mäßig ungünstigen Jahren großflächig nicht eingehalten werden können. 

Beim Schadstoff Stickstoffdioxid ist die Situation durchaus mit der bei PM10 vergleichbar. An verkehrsnahen Stellen in Ballungsräumen liegen die Belastungen über dem IG-L - Jahresmittel- grenzwert (30µg/m³). Eine Verletzung der EU-Vorgaben (40 µg/m³) liegt nur an der Grazer Station Don Bosco vor. Der IG-L - Tagesmittelgrenzwert  (200 µg/m³) konnte 2012 durchwegs eingehalten werden, der Zielwert (80µg/m³) wurde allerdings in Graz je nach Messstation bis zu 17 mal überschritten. 

Erhöhte Schwefeldioxidkonzentrationen spielen im allgemeinen nur in der Nähe entsprechend emittierender Betriebe eine Rolle. 2012 beschränkten sich diese weitgehend auf das südliche
Gratkorner Becken und waren auf erhöhte Werksemissionen der lokalen Papier- und Zellstoff- industrie zurückzuführen. Fallweise wurden erhöhte Schwefeldioxidimmissionen auch im Raum Leoben- Donawitz (Eisen- Stahlindustrie) registriert.

Für Kohlenstoffmonoxid wurden nach den hohen Maximalwerten an der Messstelle Donawitz in den Jahren 2010 und 2011 im heurigen Jahr wieder deutlich geringere Konzentrationen gemessen.

Die Ozonkonzentrationen lagen im langjährigen Vergleich sowohl hinsichtlich der Maxima als auch der Grundbelastung etwa im Schnitt der letzten Jahre. Obwohl häufig klassisches Ozonwetter herrschte, blieben die Ozonbelastungen allgemein gering. Die höchsten Belastungsspitzen lagen knapp über 170 µg/m³ (Station Arnfels).

Die regionalen Belastungsschwerpunkte lagen wie schon in den vergangenen Jahren im Grazer Becken und im Leibnitzer Feld. In beiden Fällen bedingt die topographische Lage eine schlechte Durchlüftung, die vor allem bei ungünstigen Ausbreitungsbedingungen im Winterhalbjahr zur Verschärfung der Immissionssituation führt.  Während der 400.000 Einwohner-Großraum Graz ein hohes lokales Emissionspotential aufweist, trägt im Leibnitzer Feld vor allem die lokale Windarmut entscheidend zum erhöhten Immissionspotential bei. Der Tagesmittelgrenzwert für PM10 wurde in Leibnitz sogar häufiger überschritten als in Graz. Auch für die gasförmigen Luftschadstoffe, deren Grundbelastung nicht deutlich über dem steirischen Durchschnitt liegt, wurden temporär überdurchschnittliche Kurzzeitkonzentrationen registriert.

Neben dem automatischen Luftgütemessnetz waren auch im Jahr 2012 die beidenExterne Verknüpfung  mobilen Messstationen u. a. im Rahmen zahlreicher Sondermessprogramme und Projekte wieder durchgehend im Einsatz. Ziele der Messungen waren neben der Erhebung der Ist-Situation - teilweise mit Schwerpunktmessungen der PM10-Belastung - die Ermittlung und Überprüfung lokaler Emittenten, sowie Erhebungen nach dem Kurortegesetz. 

Publizierte Berichte können über die Homepage des Landes Steiermark unter http://www.umwelt.steiermark.at/  in der Rubrik Luft/Publikationen heruntergeladen werden.

Mobile Messungen 2012 © Land Steiermark
Mobile Messungen 2012
© Land Steiermark

Informationen über die flächenhafte Schadstoffverteilung im Untersuchungsgebiet liefern die integralen Messnetze. Zur Erfassung der Staub- bzw. Schwermetalldeposition im Rahmen der
IG-L- Grenzwerte-Überwachung werden drei integrale Messnetze (35 Messpunkte) betrieben. Mit 13 Dauermessungen (36 Messpunkte) wird in den steirischen Kurorten die Luftqualität  permanent kontrolliert. Drei weitere Messnetze dienen der Erfassung der Staubdeposition im Auftrag der Behörde um Beschwerden zu objektivieren und Erfolge von Minderungsmaßnahmen zu überwachen. 
Zur Erhebung der Belastung mit Stickstoffdioxid wurden 2 Messnetze mit insgesamt 7 Messpunkten installiert.

Für weitere Fragestellungen zur Feinstaubbelastung war ein mobiler High-Volume-Sampler zur Konzentrationsbestimmung mit dem gravimetrischen Verfahren an acht Orten im Einsatz.

Aktuelle Projekte des Jahres 2012:

  • EMIKAT Steiermark
    Das Austrian Institute of Technology (AIT) hat ein  Datenmanagement- und Expertensystem entwickelt, das unter dem Namen „emikat.at" die Verwaltung von Daten und die Berechnung unterschiedlichster Szenarien für den Emissionskataster unterstützt. Seit 2010 existiert ein Basisszenario in dem die Emissionen für alle Verursachergruppen berechnet, in einem Raster (500x500 m²) dargestellt und i.d.F. zur Erstellung des Immissionskatasters und Maßnahmenkataloges verwendet werden können. 2012 wurden die Modelle für NH3-Emissionen aus der Landwirtschaft und pyrogene Traktoremissionen in der Land- und Forstwirtschaft überarbeitet.
  • Beanka
    Ein weiterer Schritt zur möglichst vollständigen Erfassung der Schadstoffemissionen in der Steiermark stellt der Betriebsanlagen Emissionskataster (BEANKA) dar, der bislang knapp 200 Betriebsanlagen umfasst. 2011 wurden die Daten von rund 300 geförderten Biomasseanlagen in die Datenbank aufgenommen. Um Emissionsquellen, vor allem auch die diffusen Feinstaub- quellen, in Bezug auf ihre Lage besser erfassen zu können, wurde 2012 eine eigene GIS-fähigeSoftware im Referat für Luftreinhaltung entwickelt.
  • Immissionskataster Steiermark
    Aufbauend auf den neuen Emissionskataster für die verschiedenen Quellgruppen wird ein landesweiter Immissionskatasters erstellt. Ziel ist die flächenmäßige Darstellung der Stickstoffoxid- und Feinstaubbelastung auf der Basis aufwendiger Simulationen mit komplexen numerischen Strömungs- und Ausbreitungsmodellen. Aufgrund der extrem hohen Rechenzeiten ist für die Simulation mit der gewünschten Auflösung eine Unterteilung der Steiermak in 23 Einzelregionen erforderlich. 2011 konnte die Berechnung der dreidimensionalen Strömungs- felder abgeschlossen werden. Für NO2 wurde 2012 erstmalig eine flächendeckende Immissionskarte fertig gestellt. Prinzipiell zeigen die Berechnungen eine zufriedenstellende Übereinstimmung mit den Messungen. Darüberhinaus lassen sie aber auch wertvolle Rückschlüsse auf den zugrunde liegenden Emissionskataster zu und können mögliche Fehlerquellen bezüglich Datenbasis und Berechnungen aufdecken.
  • Weiterentwicklungen numerischer Ausbreitungsmodelle
    auf Basis der Verbesserungen in der Computertechnik mit dem Ziel künftige Genehmigungs- verfahren mit möglichst guter Genauigkeit in einem vernünftigen Zeitrahmen abwickeln zu können. Im Jahr 2012 waren eine Überarbeitung des Grenzschichtmodells ( neue Turbulenz-Parametrisierungen) und eine neuerliche Evaluierung des Modells GRAL erforderlich. (LU-03-12)
  • Arbeitskreis Qualitätssicherung in der Ausbreitungsmodellierung
    Dieser nationale Arbeitskreis, der im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Forschung und Jugend vom Referat Luftreinhaltung geleitet wurde, lieferte durch die Entwicklung von Qualitätsstandards in der Ausbreitungsmodellierung eine technische Grundlage für eine möglichst einheitliche Genehmigungspraxis in Österreich.
  • PMInter
    Im Frühjahr 2012 wurde der 4. Workshop i. R. dieses grenzüberschreitenden Projektes von Slowenien, Kärnten und der Steiermark, das  im 2. Halbjahr 2010 startete, in Leibnitz abgehalten. Vorrangiges Thema waren die Emissionen von Einzelfeuerungen, da der Hausbrand wesentlich zur PM10- Belastung beiträgt. Zur Staubmessung an Kleinfeuerungs- anlagen wurden vom Land Stmk. Messgeräte (Fa. Vereta) angemietet und vom Inst. für Prozess- und Partikeltechnik der TU Graz getestet. Letzteres hat auch den Geräte-Einsatz durch die Rauchfangkehrer im Projektgebiet vorbereitet. Als wesentliches Bindeglied zwischen Bevölkerung und Behörden übernehmen diese einerseits eine wichtige Beratungsfunktion für den Heizungsnutzer, andererseits können im Rahmen der Routineüberprüfungen von Öfen und Kesseln Staubdaten gewonnen werden, die für weitere Auswertungen (zB. EMIKAT) zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Projektes wurde weiters ein Externe Verknüpfung Folder mit Anleitungen zum schadstoffarmen Heizen mit manuell beschickten Festbrennstoffkesseln erarbeitet  und durch eine Medieninformation über die Gemeinden ergänzt.
  • FAIRMODE Initiative
    Das "Forum for Air Quality Modelling in Europe" hat die Aufgabe die Europäische Kommission (EK) in der Revision der Europäischen Luftqualitäts-Richtlinie zu unterstützen und Möglichkeiten zum Informationsaustausch zwischen Experten der Luftgütemodellierung zu bieten. Auf nationaler Ebene sichert dies die Einflussnahme auf die zukünftige europäische Gesetzgebung  und ermöglicht eventuell notwendige Anpassungen in der Modellierpraxis. 2012 wurde seitens FAIRMODE ein Katalog an Empfehlungen an die EK abgegeben.
  • FP7 Projekt OMNISCIENTIS 
    wurde 2012 als Teil des 7. Europäischen Rahmenprogramms genehmigt und widmet sich dem Problemkreis der Geruchsbelästigung. Als Projektgebiete wurden eine Papierfabrik in Belgien  sowie ein Tierhaltungsbetrieb in der Südoststeiermark ausgewählt. Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Kalibrierung sogenannter elektronischer Nasen die eine potentielle, unab- hängige Methode zur Beurteilung von Geruchsbelästigungen darstellen. 
  • Emissionen durch nicht konventionelle Biomassebrennstoffe
    Der zunehmende Einsatz neuer Biomassebrennstoffe und die damit einhergehende Unklarheit bezüglich emissionsbedingter Auswirkungen gab Anlass zur Durchführung von Emissionsmessungen an Biomasse-Kleinfeuerungen am Inst. für Prozess- und Partikeltechnik an der TU Graz. Sowohl aufgrund der erhöhten Emissionen als auch der chemischen Partikel- zusammensetzung kann ein Einsatz der untersuchten Brennstoffe  (Micanthus-, Stroh-, Pappel-Pellets) bei privaten Betreibern nicht empfohlen werden. Die Entwicklung von speziellen Feuerungsanlagen ist nötig.
  • PEPMAC
    Unter diesem Namen ("Post Emission Particulate Matter Abatement Competition) wurden vom Joanneum Research alle Interessierten zu einem Ideenwettbewerb zur nachhaltigen Reduktion der Feinstaubbelastung eingeladen. Eine umfassende Beschreibung aller Projekte ist in der Broschüre PEPMAC-Awards 2012 [Prettentaler 2013] enthalten.

Weitere Themenschwerpunkte des Jahres 2012 wurden durch die Umsetzung der -  auf Basis der Evaluierung und Überarbeitung des Feinstaubprogrammes 2008 - im Externe Verknüpfung Luftreinhalteprogramm 2011 im September 2011 beschlossenen Maßnahmen gesetzt:

  • Steiermärkische Luftreinhalteverordnung 2011 (LGBl. Nr.2/2012 i.d.F. LGBl. Nr.91/2012) 
  • Änderungen zur VBA-Umwelt in der Steirischen VBA-Verordnung (LGBl. Nr. 87/2011, i.d.F. LGBl. Nr.22/2012)
  • Zweitheizungsverbot (Novelle der Steirischen Feuerungsanlagen-VO LGBl. Nr.108/2006 i.d.F. LGBl. Nr. 96/2011, § 3a)
  • BrauchtumsfeuerVO (LGBl. Nr. 22 /2011, i.d.F. LGBl. Nr.112/2011, LGBl. Nr.34/2012)
  • Entwicklungsprogramm Luftreinhaltung (LGBl. Nr.58/1993, i.d.F. LGBl. Nr.53/2011):
    Vorraussetzung für die VO von Fernwärmeanschlussbereichen
  • VO des Gemeinderates von Graz zur Fernwärmeanschlussverpflichtung (für die ersten beiden Bereiche).

Zur Unterstützung der Maßnahmenumsetzung wurde eine Vielzahl von Fördermitteln zur Verfügung gestellt (Förderung für LKW-Umrüstung und Taxis, Öffentlicher Verkehr, Fernwärmeausbau, Austausch alter Heizungssysteme).

Im fixen Immissionsmessnetz waren 2012 die Veränderungen nur geringfügig. Es kam lediglich zur Adaptierung der Ausstattung an einigen Stationen.

Externe Verknüpfung Download als pdf (15,4 MB) 

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