Bau und Umwelt

ORTSBILD ALTENMARKT BEI FÜRSTENFELD

Rechtskräftiges Ortsbildschutzgebiet

VO-Datum LGBl.Nr. Stück Jahr Verlautbarung
17.10.1994 84 20 1994 30.11.1994

K. Speltenbach:

Speltenbach ist ein sehr gut erhaltenes Beispiel eines Schmal- oder auch Linsenangerdorfes, entstanden durch planmäßige, um eine große Rasenfläche angelegte Gehöftgruppierungen. Die grüne Dorfmitte, meist mit Bach, Teich und Gemeindebrunnen, war Allmende (Gemeindesitz) und diente als Sammelplatz, Versammlungs- und Festort. Während in den älteren Angerdörfern die Kirche meist außerhalb des Ortes stand, verlegte man sie in den jüngeren Dorfgründungen oft zusammen mit dem Feuerwehrhaus auf den Anger (wie in Speltenbach). Dieser wird von Gehöften mit platzseitigen Einfahrtstoren in einheitlicher Folge umschlossen.

An die Gehöfte, meist Vierseithöfe, schließen sich felderwärts die Hausgrundstücke, Kraut- und Obstgärten und die Ackerfluren.

Als in der Neuzeit die mittelalterlichen Heckenzäune und Wälle rund um das Dorf verschwanden, legte man an ihrer Stelle „Hintausgassen“ an, über die der Bauer direkt auf seinen Acker kommt.

 

Siedlungs- und Hausformen in Speltenbach:

Die Häuser sind eingeschossige, relativ niedrige Gebäude. Im rückwärtigen Teil der Gehöfte schließen zumeist Obstgärten an. Die angrenzenden Felder und Gewannfluren werden über die sogenannte „Hintausgassen“ erreicht. Das Dorf hebt sich klar von den umgebenden Freilandflächen ab.

Die Platzansichten sind durch mehrere mittelgroße Fenster gestaltet. Meist etwas außermittig liegt die Hofeinfahrt, schön gestaltet mit einem Rundbogen (Korbbogen).

Fenster und Türen sind fast immer mit einfachen Putzfaschen geschmückt. Manchmal findet man auch reichhaltigere Gliederungen mit Säulen- und Sonnenmotiven.

Zur Straße hin liegt der Wohntrakt und nach rückwärts zu den Feldern hin die Wirtschaftsgebäude. Innenhöfe sind schlicht gestaltet, Arkadengänge sind kaum anzutreffen.

Die ursprüngliche Biberschwanzdoppeldeckung überwiegt. Walmdächer wurden bei Um- und Neubauten teils durch Satteldächer mit Giebeln ersetzt. Traufen- und Ortgangausbildungen versehen im originalen Zustand aus Hohlkehlen, häufig mit schönen Profilierungen versehen. Kennzeichnend ist ein geringer Dachvorsprung.

Bei der unverbauten Angerfläche überwiegt das Grün mit mäßiger heimischer Bepflanzung, meist nur Blumenreihen an der Hausfront und einige Obstbäume am Angergrund.

Die Gebäude am Angerplatz liegen nicht genau parallel zur Baufluchtlinie, sondern sind meist etwas „verzahnt“ angeordnet. Dadurch ergibt sich vom Küchenfenster aus ein Blick auf den Platz und somit auf das Ortsgeschehen.

Schützenswert ist in erster Linie die historische Angerdorfanlage. Diese umfasst den Längsanger und bildet mit den Gehöften in ihrer Geschlossenheit eine Einheit. Das Dorf selbst hebt sich von Freilandflächen klar ab. Hinter den Bauernhöfen befinden sich Obstgärten, welche bis zur „Hintergassen“ reichen. Auch diese Hausgärten bilden mit der Dorfanlage eine Einheit. Schützenswert ist ferner das Straßenbild im Angerbereich, welches durch die Fassaden der Gehöfte geprägt wird.

Das Schutzgebiet umfasst auch einige Baulandreserven am östlichen und westlichen Ortsausgang mit der Überlegung, dass auch Neubauten in diesen Bereichen den Gestaltungs- und Bebauungsverhältnissen entsprechen sollten.

Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994

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