Bau und Umwelt

ORTSBILD NIEDERWÖLZ

Rechtskräftiges Ortsbildschutzgebiet

VO-Datum LGBl.Nr. Stück Jahr Verlautbarung
17.10.1988 30 8 1989

28.04.1989

 
Das Dorf, das bereits in slawischer Zeit (6. bis 9. Jh.) bestanden haben könnte und somit wohl die älteste Siedlung des Wölzertales ist, wurde zum Stammsitz der Welzer, die hier erstmals 1150 nachweisbar sind. Der Edelhof der Welzer im Dorf hatte seine Grundstücke mit jenen der Bauern und Keuschler vermischt. Wann dieser Edelhof entstanden ist, ist unbekannt, ebensowenig wie eventuelle Vorbesitzer. Die Siedlung muss schon 1007 bestanden haben, weil Kaiser Heinrich II. in diesem Jahr seine Besitzungen im Katschtal, im Wölzertal und in Lind dem Bischof von Freising überließ.

Wie bei vielen derartigen Adelshöfen, die meistens älter sind als die erst seit dem Ende des 11. Jhs. allmählich entstandenen Höhenburgen, hat die hier ansässige Adelsfamilie eine Kapelle oder Kirche erbaut, die als ihre Eigenkirche galt. Solche Eigenkirchen hatten jedoch in dieser Zeit meistens kein Pfarrrecht, sondern durften nur von den Edelhofbewohnern benützt werden. Der Bestand solcher Eigenkirchen bzw. -kapellen kann für dieses Gebiet bereits im 10. und 11. Jh. nachgewiesen werden: Baumkirchen (935), Tiefenbach/Allerheiligen (1075), St. Lambrecht, Mariahof (vor 1066) und Scheifling (vor 1100). In diesem Zeitraum dürfte auch die Maximilianskirche entstanden sein, wodurch das legendäre Datum der Kirchenweihe im Jahre 1027 a.D. durchaus eine annähernde Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Im Zuge einer Neuorientierung des Pfarr- und Kirchenwesens wurde die Kirche eine Filiale von Pöls bzw. St. Lorenzen, während der Stammsitz der Welzer nach 1300 geteilt wurde, nachdem die Familie allmählich begann, sich zu verzweigen. Im 15. Jh. schließlich gelangten die Teile des ehemaligen Edelsitzes in bäuerliche Hände. Damit war die mittelalterliche Entwicklung des Dorfes abgeschlossen, abgesehen davon, dass sich das Erscheinungsbild des Ortes bis in das vorige Jh. durch Hofteilungen, Zukäufe oder kleine An- und Neubauten leicht verändert hat.

Von den Hügeln rund um Niederwölz kann man den Ort gut einsehen, d.h. der Dachstruktur muss ein besonderer Stellenwert beigemessen werden. Die Dachlandschaft ist durch klare, einfache Dachkörper geprägt. Trotz der Vielfalt der Firstrichtungen wirkt die Dachstruktur nicht ungeordnet.

Die Abgrenzung des Schutzgebietes von Niederwölz verläuft im Norden entlang des Gemeindeweges zu den beiden Gehöften im Bereich Mayerfeld, von dort den Hügel einschließend bis zur alten Bundesstraße. Im Osten dient die Grenzwahl einerseits der Bewährung des Blickes auf das innere Ortsbild und auf die Dachlandschaft.


Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994

 

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).