Bau und Umwelt

ORTSBILD OBERWÖLZ

Rechtskräftiges Ortsbildschutzgebiet

VO-Datum LGBl.Nr. Stück Jahr Verlautbarung
28.05.1984 42 9 1984

26.07.1984

 
"Welz" ist slawischen Ursprungs, das mit dem slawischen Wort "veliki"= groß zusammenhängt und etwa "große Siedlung" bedeutet. Die Besiedlung und Kolonialisierung der inneren gebirgigen Gebiete erfolgte erst durch deutsche Siedler des bayrischen Bistums Freising. Kaiser Heinrich II. (1002-1024) verfolgte die Politik, für sich alle durch die Alpen führenden Wege von Deutschland nach Italien offenzuhalten. Daher erhielt Bischof Egilbert von Freising im Jahre 1007 die Güter Welira und Linta (Oberwölz und Lind bei Scheifling) sowie das Gut Katsch.

Die Stadt Oberwölz liegt auf einem Schwemmkegel des Schöttlbaches im Wölzertal - einem Seitental des oberen Murtales - auf 841 m Seehöhe. Das Wölzertal verläuft von Nordwesten nach Südosten und ist über Niederwölz, im Westen über St. Peter am Kammersberg und im Süden von der Ortschaft Katsch aus über den Hinterburger Sattel erreichbar. Im Osten und Westen reichen die Gemeindegrenzen bis knapp an die Stadtmauer.

Die Besonderheit von Oberwölz liegt in der historischen Bebauung, die durch eine in fast allen Teilen erhaltene bzw. baulich eingebundene Stadtmauer umschlossen ist.

Der in nord-südlicher Richtung fließende Mühlbach kann als Trennung zwischen der Altsiedlung (vor 1298) im Westen und der Siedlungserweiterung bis spätestens 1317 angesehen werden.

Der sich in nord-südlicher Richtung erstreckende Hauptplatz ist Kernstück des Siedlungsraumes, welcher im Süden durch die Stadtpfarrkirche begrenzt wird und im Norden direkt im Stadtmauerbereich beim Schöttltor endet. Die Stadtmauer prägt mit den noch erhaltenen Stadttoren und Türmen wesentlich das Erscheinungsbild von außen. Darüber hinaus bilden die noch erhaltenen Stadttore jene mittelalterliche Geschlossenheit, die für Oberwölz so charakteristisch ist. Im Süden ist durch den Ausbruch des ehemaligen "Müller-Tores" diese wichtige Geschlossenheit unterbrochen. Es wäre städtebaulich empfehlenswert, hier eine Verdichtung (angedeutete Torsituation) zu schaffen.

Die Gliederung der Häuserzeilen stellt trotz steten Wechsels mit Vor- und Rücksprüngen sowie den ausgeprägten, oft verschieden geneigten Dachkörpern ein harmonisches Ganzes dar; eine Einheit, die durch einige architektonische Schwerpunkte unterstrichen wird. Das Niveau der Stadtanlage verläuft von Süden nach Norden leicht ansteigend. Während im Bereich des Hauptplatzes und der Herrengasse die Gebäude ein überwiegend bürgerliches Erscheinungsbild tragen, sind im übrigen Stadtbereich - mit einigen Ausnahmen - landwirtschaftlich genutzte Objekte zu finden. Neben den beiden hervorragenden Sakralbauten (Stadtpfarr- und Filialkirche) und der Wehrmaueranlage sind noch einige Amtsgebäude aus der "Freisinger Zeit" hervorzuheben.

Durch die Freiräume bzw. Wege und Gewässer vor den Stadtmauern, die alle neuen Siedlungsbereiche deutlich von der kompakt gebauten Altstadt abgrenzen, wird im Nahbereich zu Oberwölz der Eindruck der wehrhaften mittelalterlichen Stadtstruktur besonders spürbar.

Die Abgrenzung des Schutzgebietes von Oberwölz wird im Wesentlichen durch die fast vollständig erhaltene Stadtmauer und den davor liegenden Stadtgraben bzw. die Freizonen, welche die Geschlossenheit der Siedlung erkennen lassen, bestimmt.


Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994

 

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