ORTSBILD PÖLLAU

Rechtskräftiges Ortsbildschutzgebiet

VO-Datum LGBl.Nr. Stück Jahr Verlautbarung
16.11.1992 63 14 1992 15.12.1992
 
Die historische Existenz des Marktes ist bereits mit dem Jahr 1163 beurkundet.

Von Anfang an bildete das "Schloss" die Ortsmitte. Hier stand bis zum Ausgang des Mittelalters eine Wasserburg der Stubenberger Ritter von Pöllau. Im Norden schließt der älteste Ortsteil mit unregelmäßiger Struktur an. Südlich wurde vermutlich Anfang des 13. Jhs. eine für diese Zeit der Städtegründungen charakteristisch regelmäßige, neue Marktanlage mit rechtwinkelig in den Platz einmündenden Straßen errichtet. 1504 kamen die Augustiner Chorherren, die in der 2. Hälfte des 17. Jhs. die alte Wasserburg abreißen und den noch heute den Ort Pöllau überaus prägenden, barocken Stiftsbau errichten ließen.

Schloss und Marktplatz sind die Ausgangspunkte für das Wachsen des Ortes, das vorwiegend in Nord-Südrichtung erfolgte, wobei die Brücken über die Saifen Grenzen markieren. In jüngerer Zeit ist eine Ausdehnung des Siedlungsgebietes nach Osten und Westen ablesbar. Der Kern des Ortes hat zum Teil noch mittelalterliche Substanz, die jedoch vor allem von Bautätigkeiten aus dem 16., 17. und 18. Jh. - mit dem Stift an vorrangiger Stelle - völlig überlagert wurde, sodass man von einem "barocken Ort" sprechen kann.

Als zweite hochwertige Bauphase sind im 19. Jh. zunächst das Biedermeier und dann der Historismus, vor allem in der Ortenhoferstraße, Grazerstraße und der Villengasse erkennbar. Für das Bauen im 20. Jh. - ohne geordneten Stilwillen und Sensibilität - ist ein deutlicher Qualitätsabfall festzustellen.

Als typische Baukonstruktion gilt hier der verputzte Mauermassenbau, in der Ortsmitte meist zweigeschossig, zum Ortsrand hin eingeschossig auslaufend.

Die Baukörper haben geschlossene, kubische Form. Die Dachtraufen sind als typisch steirische Hohlkehlen ausgebildet. Holz ist als Baustoff für die Ortsidentität untergeordnet und nur im Bereich der Jahrhundertwendebauten sparsam eingesetzt.

Die Dächer führen mit ihren Firstlinien das Ordnungsschema der Straßen weiter. Ortscharakteristisch ist die Tonziegeldeckung - Nachahmungen in anderen Materialien wirken fremd. Eine andere, überaus störende Fehlentwicklung ist das Vergrößern der Dachvorsprünge bei Renovierungen in jüngster Vergangenheit.

Baumpflanzungen, Gärten und Grünflächen sowie Gewässer sind prägende Bestandteile des Ortes, begleiten Wege und Straßen und leiten in den umgebenden Naturraum über. Wesentlich sind Alleen an den Ortseinfahrtsstraßen, der Fehlbestand sollte ergänzt werden.

Das Schutzgebiet umfasst jenen Teil der Gemeinde, der in seiner landschaftlichen und baulichen Charakteristik den Ort prägt und in dem das Erscheinungsbild in Baustruktur und Bausubstanz sowie in seinen organischen Funktionen zu erhalten ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Blickrichtungen auf den Ortskern und auf die ehemalige Stiftsanlage, die Ortskrone von Pöllau.


Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994

 

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