Bau und Umwelt

ORTSBILD VORDERNBERG

Rechtskräftiges Ortsbildschutzgebiet

VO-Datum LGBl.Nr. Stück Jahr Verlautbarung
29.04.2002 63 22 2002 03.07.2002
 
 

Das Vordernbergertal weist eine für Europa wohl einmalige, nahezu kontinuierliche Entwicklung des Verhüttungswesens von der Römerzeit bis in unsere Tage auf. So ist es sicher kein Zufall, dass sich hier die erste Montanistische Hochschule, die heute weltbekannte Montanuniversität, entwickelte, die 1840 als "Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt zu Vordernberg" ihren Ursprung hat. 10 Jahre später wurde sie bereits an den Ausgang des Vordernbergertales nach Leoben verlegt. Das Kernstück in der Kette von montanistischen Zeugnissen der 2000-jährigen Vergangenheit liegt im heutigen Vordernberg. Hier spiegeln die Reste einer großen Zahl von Hochöfen, Gleistrassen und anderer mit der Verhüttung zusammenhängende Bauten die sehr schnell wechselnden frühen Phasen der industriellen Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts wider.

Das Ortsbild von Vordernberg wird in allen Bereichen von der engen Tallage, eingezwängt zwischen gewaltigen Bergmassiven, geprägt. Es kann in keinem Bereich von der umgebenden Landschaft getrennt werden. Die Lage in unmittelbarer Fortsetzung vom Präbichl nach Süden schafft besonders im Winter ein äußerst raues Klima, das sowohl die Stellung als auch die äußere Gestalt der Wohnbauten, Herrenhäuser und anderer Gebäude bestimmt hat. So weisen alle älteren Bauten an der Nordseite einen erhöhten Wärme- und Windschutz auf, der zumeist aus einer Holzverschalung (Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, 1461), mitunter aber auch aus kleinen Holzschindeln (Laurentiuskirche, 1453) oder heute aus Eternit bzw. anderen Materialien besteht. Sie stehen mit ihrer Längsseite meist zur Talrichtung, sodass sie den Stürmen eine möglichst geringe Angriffsfläche bieten. Einige Bauten weisen nach Norden hin sogar einen regelrechten Bug auf, der gegen die Gewalt der Winterstürme schützen soll.

Diese Wohnbauten werden überall von Restgebäuden des Verhüttungswesens und alten Bahndämmen der Zubringergleise zu den einzelnen Radwerken umgeben. Früher blieben derartige Bauten nach der Betriebseinstellung einfach stehen und verfielen nach einer gewissen Zeit. Erst jetzt wurde der Wert dieser Bauten bzw. Baureste als Studienobjekte und Zeugnisse der Geschichte der technischen Entwicklung (ein im Zusammenhang mit der Leobener Montanuniversität sicher sehr interessanter Aspekt), aber auch als touristische Attraktion erkannt und es wird nun zumindest teilweise eine Sicherung bzw. Renovierung (Radwerk IV) vorgenommen.

Das Schutzgebiet umfasst

  • den Markt
  • Friedanwerk
  • Steinhaus
  • Almhäuser


Quelle: G. Axmann, K. Gartler & U. Werluschnig, 1994, Ortsbildschutz Steiermark 1977-1994

 

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